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aurigkeit, Verzweiflung und Wut – all das sind Begriffe, die mit dem Gegenteil von Glücklichsein assoziiert werden. Doch was ist, wenn es eine Abwesenheit von Gefühlen gibt? Wenn du nichts mehr zu fühlen scheinst? Dies nennt sich innere Leere und ist oft nicht weniger belastend als eine tiefe Traurigkeit. Bei einigen Menschen ist dieses eigentliche „Nicht-Gefühl“ sogar Anzeichen für eine klinische Depression. Der Blick ist leer, die Mimik erstarrt und über allen Tätigkeiten zieht sich eine bleierne Schwere.

Gelegentlich kommt eine fast unbändige Ruhelosigkeit mit großen Selbst- oder Lebenszweifeln auf, die dann wieder in einem Gefühl der Abgestumpftheit endet.

Wer sich so fühlt, ist nicht glücklich. Doch wie ist es möglich, aus dieser Leere einen Weg zu finden? Finde es heraus und hilf dir oder anderen.

Was ist innere Leere eigentlich?

Innere Leere ist facettenreich, wie wir bereits in der Einleitung erörtert haben. Der Betroffene sieht sich lediglich als Beobachter seines eigenen Lebens. Er benötigt Anerkennung, um überhaupt noch irgendetwas Positives zu verspüren und seine Selbstzweifel zu beruhigen. Auf der anderen Seite ist ihm die Aufmerksamkeit anderer schnell zu viel, denn eines bleibt trotz des Kontakts zu anderen Menschen: Gefühle der Einsamkeit, Niedergeschlagenheit und Unvollständigkeit. Sie reißen den Betroffenen nicht selten letztlich in eine Abwärtsspirale, die mit einem sozialen Rückzug einhergeht. Manch einer mag dann denken, dass diesen Menschen eine Gefühlskälte umgibt. Doch dieser Eindruck täuscht.

Andere, die unter einer inneren Leere leiden, gehen den konträren Weg.

Sie sind stetig auf der Suche nach einer „Ersatzbefriedigung“ und „Zerstreuung“ in Form vom Powershopping, Alkohol- und Drogenkonsum, zu vielem Essen, ständig wechselnden Geschlechtspartnern, Sucht nach Schönheit-OPs und vielem mehr.

Sie wollen auf diese Weise ihren emotionalen Hunger stillen, was jedoch nicht gelingen kann. Die innere Leere lässt sich dauerhaft nicht mit Oberflächlichkeiten oder einem Betäuben der Sinne bekämpfen. Sie braucht eine tiefgreifendere, anspruchsvollere Herangehensweise und das ist auch gut so, denn wird die innere Leere besiegt, ist ein stabiles Gefühl des Glücklichseins in Form einer tiefen Zufriedenheit das Ergebnis.

Achtung: Leicht ist es nicht, die innere Leere zu besiegen. Ihre Gründe liegen oft sehr tief in uns vergraben, weshalb wir schon ordentlich buddeln müssen, um sie ans Tageslicht zu zerren. Das kann sehr unangenehm und manchmal auch emotional schmerzhaft sein, ist aber der einzige Weg. Wer ihn scheut, bleibt im Teufelskreis der inneren Leere stecken.

Wie kommt es eigentlich zur inneren Leere?

Ein Gefühl der inneren Leere poppt manchmal ganz plötzlich hoch. Sie entsteht, wenn unser Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Dies kann beispielsweise nach einer Trennung vom Partner, dem Tod oder Verlust des Partners oder eines nahen Verwandten oder durch immenses Heimweh geschehen. Manchmal stecken dahinter keine einschneidenden Erlebnisse, sondern traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder Gewaltverbrechen.

Doch nicht jeder entwickelt eine innere Leere in einer Lebens- oder Sinnkrise. Es kommt darauf an, wie wir einen Sachverhalt bewerten: Einige Menschen suchen verstärkt den Grund für Geschehnisse im Außen – also in der Umgebung, den nicht beeinflussbaren Umständen und anderen Personen.

Andere hingegen sind eher nach innen gekehrt und beziehen die Ursache für ein Ereignis eher auf sich und ihre eigenen Fähig- bzw. Unfähigkeiten.

Wer eine innere Leere verspürt, tendiert dazu, die Fehler immer bei sich selbst und die Erfolge bei anderen zu suchen. Dadurch sinkt automatisch das Selbstwertgefühl sowie das Vertrauen in das eigene Können.

Und zu welchem Bewertungsmuster tendierst du? In unserer Kindheit erlernen wir diese Bewertungsmuster und speichern sie als positiv oder negativ ab. Anschließend werden diese Bewertungen gar nicht mehr hinterfragt, denn sie laufen automatisiert ab. Wir empfinden sie als normal, was es so schwer macht, sie loszuwerden. Doch sie sind nur eine Betrachtungsweise unserer selbst und kein feststehendes Gesetz. Du kannst jederzeit damit anfangen, sie zu ändern.

Tipps gegen die innere Leere

Die innere Leere kann immer nur der Betroffene selbst besiegen. Dies ist eine gute Nachricht, denn sie zeigt bereits auf, wie viel Macht du über dich hast. Wie bereits erwähnt, ist es nicht einfach, alte Bewertungsmuster „umzuprogrammieren“, aber es ist möglich. Hier erfährst du, wie dir das gelingt:

Schritt 1: Sei achtsam

Ja, der Begriff der Achtsamkeit wird seit Jahren überstrapaziert. Doch in der Tat ist es wichtig, achtsam zu sein. So wie du auf den Straßenverkehr achtest, um nicht dir selbst oder anderen Schaden zuzufügen, solltest du auf dich selbst und deine Gedanken sowie Emotionen achten. Reflektiere dich! Um dies tatsächlich zu tun, kannst du Tagebuch schreiben, mit einem echten Freund reden oder besser noch:

Entdecke jene Dinge wieder, die dir früher einmal wirklich Freude bereitet haben, und nimm diese wieder auf.

Das kann ein Hobby, soziales Engagement oder andere für dich erfüllende und erfreuliche Aktivitäten sein. Was auch immer es war: Nimm diese Tätigkeit wieder auf. Es könnte gut sein, dass du hiermit deine innere Leere ersetzen und neue Freude am Leben finden kannst. Wenn du erst wieder "am Leben teilnimmst" wird es dir leichter fallen, weitere Schritte in Richtung deines persönlichen Glücklichseins zu gehen. Klar, manchmal ist es nicht angenehm, in seine Gedanken und Gefühle abzutauchen, um diese tiefer zu ergründen. Gerade wenn man sich abgestumpft fühlt, scheint es deutlich einfacher zu sein, sie zu ignorieren. Doch Freude am Leben erfährt man nur, wenn man sich wirklich kennt. Und wer sich kennt, kann sein Leben wunschgerecht formen. Adieu, innere Leere!

Schritt 2: Komm in den Flow

Ein sich Vollstopfen mit Sucht- und Konsummitteln verhindert ganz entschieden, die innere Leere oder Abgestumpftheit zu beseitigen. Sie lenkt dich nur ab und übertüncht dabei die Gleichgültigkeit und das Fehlen von echten Emotionen. Besser ist es, „in den Flow“ zu kommen. Hiermit ist gemeint, sich Aktivitäten zu 100 % zu widmen und somit eine vollständige Konzentration auf etwas zu erreichen, was tatsächlich Glücksgefühle auslöst. Was das ist, entscheidest du selbst. Vielleicht begibst du dich aus deiner Komfortzone und probierst eine neue Sportart aus. Oder du wirst künstlerisch aktiv. Doch es muss gar nicht so aufwendig sein. Du kannst es auch wie die buddhistischen Mönche im Kloster machen: Führe Alltagstätigkeiten mit größter Hingabe aus und lass deine Gedanken nicht schweifen. So kannst du dich beispielsweise in das Beziehen des Betts vertiefen. Führe jeden Handgriff mit Sorgfalt und Konzentration aus. Spüre den Stoff und ziehen das Laken mit größter Präzision über die Matratze. Kurzum: Komm in den Flow sonst bemerkst du gar nicht, wie du ihn genießt und wie schnell die Zeit vergeht.

Schritt 3: Wähle deine Kontaktpersonen gut aus

Soziale Kontakte sind wichtig, aber nicht jede Kontaktperson ist gut für dich. Schau dir genau an, mit wem du dich häufig umgibst. Für manche Menschen bist du nur ein Mittel zum Zweck. Sie nutzen dich beispielsweise für ihre eigene Anerkennung und Bestätigung. Manchmal ist es nicht leicht, zu erkennen, wer es gut mit dir meint. Überlege dann, bei wem du dich aufgehoben und wohlfühlst. Wer teilt mit dir die gleichen großen Werte und wer gibt dir ein Gefühl der Sicherheit sowie des Verständnisses?

Schritt 4: Analysiere immer wieder deine Lebensbereiche

Das Leben ist weder eine Einbahnstraße noch eine gerade, ebene Linie. Bekanntlich ist es eine Achterbahn, die dich in sagenhafte Höhen und deprimierende Tiefen bringen kann. Das ist normal. Nie ist immer alles gut oder immer alles schlecht. Dennoch ist es ratsam, sich regelmäßig die wichtigsten Lebensbereiche – Partnerschaft, Familie, Job, Studium, Wohnort, Freizeit – näher anzusehen. Mit welchem Lebensbereich bist du wie zufrieden? Wieso bist du damit unzufrieden oder zufrieden? Was kannst und solltest du ändern?

Achtung: Die Bewertungen können je nach Tagesform und äußeren Umständen schwanken. Bevor du drastische Änderungen vornimmst, solltest du dir diese gut überlegen. Manchmal musst du nämlich gar nichts an der Sache ändern, sondern nur an deiner Sichtweise darauf.

Schritt 5: Akzeptiere das Unveränderbare

Du kannst viel in deinem Leben und in deinen Lebenseinstellungen ändern. Doch nicht alles lässt sich ändern. Einige Dinge musst du so hinnehmen, wie sie sind. Das ist manchmal nicht leicht, aber schützt dich vor der inneren Leere. Selbstzweifel sind wichtig und gut, um zu wachsen und die Welt nicht als unangreifbarer Narzisst wahrzunehmen, aber sie müssen auch ihre Grenzen haben.

Jetzt packt mich die innere Leere: Tipps für die Soforthilfe

Du fühlst jetzt in diesem Moment eine innere Leere, die dich unruhig werden lässt oder lähmt? Dann brauchst du Tipps zur Soforthilfe, die eine Ergänzung zu den oben erwähnten Ratschlägen sind, mit denen sich langfristig die innere Leere bekämpfen lässt. All diese Tipps haben eine große Gemeinsamkeit: Sie zielen auf eine gesunde Ablenkung ab, die Kraft spenden kann, sich tiefergehend mit der inneren Leere und sich selbst auseinanderzusetzen.

  • Nimm eine kalte Dusche!
  • Höre laute Wohlfühlmusik und singe dazu!
  • Kaue auf einer Chilischote!
  • Löse ein Kreuzworträtsel oder eine schwierige Rechenaufgabe!
  • Lerne Vokabeln einer neuen Sprache!
  • Mach Ausdauer- oder Kraftsport!
  • Geh raus in die Natur und beobachte die Tierwelt!
  • Atme bewusst und kontrolliert!

Der eine ist an sinnbezogenen, der andere an rein spaßbringenden Tätigkeiten interessiert. Probiere aus, was dir hilft und kombiniere bei Bedarf mehrere Tätigkeiten miteinander. Der Weg raus aus der inneren Leere ist da. Du musst ihn tatsächlich nur beschreiten!

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Photo by Vasily Koloda on Unsplash

Publiziert am 
Apr 28, 2023
 in Katgorie
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